Schottland mit dem Zug

Tolle Landschaft, entspanntes Reisen: Schottland lÀsst sich hervorragend mit dem Zug entdecken. Wie das geht, erfahrt ihr in der Zugpost.

Bild: Blick aus dem Zugfenster aufs Meer

Hallo Zugfans 👋

Schottland hat mich echt umgehauen. Was fĂŒr ein großartiges Land. Was fĂŒr nette Menschen. Und was fĂŒr eine tolle Eisenbahn.

Ob niedliche Triebwagen, die ĂŒber SchienenstĂ¶ĂŸe hoppeln, oder elegante Intercity-ZĂŒge, die sich durch die Highlands schlĂ€ngeln – dass dem Eisenbahnherz in Schottland so viel geboten wird, hatte ich vorher ehrlich gesagt nicht geahnt.

Und dann diese Bahnhöfe.

Von liebevoll gepflegt auf dem Land zu wahren Eisenbahnkathedralen in den StÀdten. Nicht nur einmal fiel der Satz: Oh, hier könnte ich Stunden verbringen und einfach nur gucken.

In dieser Zugpost habe ich aufgeschrieben, was ich in knapp zwei Wochen auf schottischen Gleisen gelernt habe. Unter anderem erfahrt ihr mehr ĂŒber:

  • Die Anreise. Wie ihr mit dem Zug nach Schottland fahrt.
  • Schottlands Bahnnetz. Wo sind die schönsten Strecken?
  • Bahnhöfe in Schottland. Was sie so besonders macht und welches die wichtigsten Stationen sind.
  • ZĂŒge und Ausstattung. Welche ZĂŒge sind in Schottland unterwegs und wie ist der Komfort an Bord?
  • Tickets und Preise. Warum Interrail in Schottland (fast) perfekt ist.
  • FĂ€hren und Busse. Wie ihr Schottlands Inseln erkundet und wie es weitergeht, wenn der Schienenstrang endet.

Kleine Warnung vorweg: Es ist ein bisschen lĂ€nger geworden. Also schnappt euch einen Tee (oder zwei), macht es euch bequem und kommt mit auf große Fahrt durch Schottland.

Viel Spaß beim Lesen!


Anreise nach Schottland

Wer nach Schottland will, muss nicht in den Flieger steigen. Drei Routen mit Tag- und NachtzĂŒgen sowie einer FĂ€hre.

Bild: Ein Azuma-Zug von LNER im Bahnhof Edinburgh

ZunĂ€chst mal stellt ihr euch vielleicht die Frage: Wie kommt man ĂŒberhaupt mit dem Zug nach Schottland?

Möchtet ihr komplett per Bahn anreisen, geht es zunĂ€chst mit dem Eurostar nach London. Von dort habt ihr dann zwei Möglichkeiten zur Weiterfahrt nach Schottland: ĂŒber Tag mit verschiedenen Anbietern nach Edinburgh oder Glasgow sowie mit dem komfortablen Nachtzug Caledonian Sleeper zu diversen Zielen insbesondere in den Highlands.

Eine Alternative zur reinen Zugfahrt ist die FĂ€hre von Amsterdam ins englische Newcastle nahe der schottischen Grenze.

Zusammen macht das drei Anreise-Varianten, die ich euch im Folgenden nÀher vorstellen möchte.

Variante 1: Über Tag nach Edinburgh und Glasgow

Bild: Zwei ZĂŒge von LNER im Bahnhof Edinburgh Waverley
Edinburgh lÀsst sich an einem Tag von vielen Orten in Europa erreichen

Vorausgesetzt ihr startet frĂŒh am Morgen, lassen sich die schottischen Metropolen Edinburgh und Glasgow von vielen Orten im deutschsprachigen Raum an einem Tag mit dem Zug erreichen.

Egal wo ihr losfahrt und was euer Ziel ist, eins haben alle Routen gemeinsam: sie fĂŒhren ĂŒber London. Am schnellsten und einfachsten erreicht ihr London mit dem Eurostar (eurostar.com) durch den Kanaltunnel. Es gibt zwar auch FĂ€hren ĂŒber den Ärmelkanal, zum Beispiel ab Calais und Hoek van Holland, damit seid ihr aber deutlich lĂ€nger und am Ende auch teurer unterwegs.

Schritt 1: Zum nÀchsten Eurostar-Terminal

Entscheidet ihr euch fĂŒr die Fahrt durch den Tunnel, ist der erste Schritt die Anreise zum nĂ€chsten Eurostar-Terminal. Je nachdem, wo eure Reise startet, ist das BrĂŒssel, Amsterdam oder Paris. Alle drei sind mit DirektzĂŒgen aus Deutschland zu erreichen. Reist ihr aus Österreich oder der Schweiz an, ist die Anreise mit dem ÖBB Nightjet eine entspannte Alternative.

Schritt 2: Eurostar nach London

Da Großbritannien nicht im Schengen-Raum ist, sind am Terminal umfangreiche Sicherheits- und Einreisekontrollen nötig. Darum mĂŒsst ihr fĂŒr den Übergang auf den Eurostar mehr Zeit als normal einplanen. Empfohlen werden mindestens 45 Minuten, besser ist ein Puffer von 1 bis 2 Stunden.

Habt ihr die Kontrollen erst einmal hinter euch gebracht, geht die Fahrt nach London blitzschnell. Von BrĂŒssel und Paris sind es nur etwas ĂŒber zwei Stunden. Außerdem habt ihr bei der Hinfahrt die Zeitumstellung auf eurer Seite, so dass ihr effektiv in einer Stunde in England seid.

Bild: Zwei Eurostar-ZĂŒge am Bahnsteig mit Reisenden
Der Eurostar erreicht den Bahnhof London St. Pancras

Schritt 3: Bahnhofswechsel in London

Die Eurostar-ZĂŒge erreichen London am Bahnhof St. Pancras. Egal wie es fĂŒr euch weitergeht, steht nun auf jeden Fall ein Bahnhofswechsel an. Die Abfahrtsbahnhöfe fĂŒr ZĂŒge nach Schottland sind London King's Cross und London Euston. Die gute Nachricht: Beide liegen in unmittelbarer NĂ€he zum Bahnhof St. Pancras und lassen sich leicht zu Fuß erreichen.

Schritt 4: Fahrt nach Edinburgh und Glasgow

London ist hervorragend mit TagzĂŒgen an Edinburgh und Glasgow angebunden. Es gibt zwei Anbieter, die auf verschiedenen Routen hĂ€ufig und schnell in Schottlands grĂ¶ĂŸte StĂ€dte fahren.

  • London North Eastern Railway, kurz LNER (lner.co.uk), fĂ€hrt zweimal die Stunde ĂŒber die East Coast Main Line nach Edinburgh. Die Route fĂŒhrt ĂŒber York und Newcastle. Je nach Verbindung dauert das 4 bis 5 Stunden. Einzelne ZĂŒge werden bis Aberdeen und Inverness verlĂ€ngert. Die ZĂŒge von LNER fahren vom Bahnhof London King's Cross.
  • Mit Avanti West Coast (avantiwestcoast.co.uk) geht es ĂŒber die West Coast Main Line stĂŒndlich von London Euston nach Glasgow. Die Route fĂŒhrt ĂŒber Warrington, Lancaster und Carlisle. Auf der Gesamtstrecke von London nach Glasgow betrĂ€gt die Fahrzeit 4,5 Stunden.

Sowohl LNER als auch Avanti West Coast bieten auf den Strecken nach Schottland moderne und zweckmĂ€ĂŸige, aber nicht ĂŒbermĂ€ĂŸig komfortable TriebzĂŒge an. FĂŒr welchen Anbieter ihr euch letztendlich entscheidet, hĂ€ngt vor allem von eurem Reiseziel ab.

Bild: Ganz im Azuma von LNER mit ZwischentĂŒr
Blick in einen Zug des Typs Azuma von LNER
Bild: Innenraum vom Azuma mit Sitzen
Der Sitzkomfort in den Azuma-ZĂŒgen ist nicht besonders hoch

Alternative: Mit CrossCountry quer durch England

Mit CrossCountry (crosscountrytrains.co.uk) gibt es noch einen dritten Anbieter zwischen England und Schottland. Die ZĂŒge sind allerdings nicht ĂŒber London unterwegs, sondern starten an der SĂŒdwestspitze Englands. Von dort fahren sie – wie der Name andeutet – einmal quer durchs Land und binden IndustriestĂ€dte wie Birmingham, Sheffield und Leeds an. Ab York geht es dann ĂŒber Newcastle nach Schottland.

Die Fahrt mit CrossCountry ist kaum interessant, wenn ihr direkt vom Kontinent nach Schottland fahren wollt. Habt ihr aber vor, euren Trip mit einem Aufenthalt im Nordwesten Englands oder in den Regionen Cornwall und Devon zu verbinden, kann sie eine Option sein.

Bild: Ein Zug von CrossCountry am Bahnsteig
Mit den ZĂŒgen von CrossCountry geht es quer durch England

Die Stammstrecke fĂŒhrt von Plymouth nach Edinburgh, dort sind die CrossCountry-ZĂŒge stĂŒndlich unterwegs. Einzelne ZuglĂ€ufe werden bis Penzance im SĂŒden und Aberdeen im Norden verlĂ€ngert, womit sie zu den lĂ€ngsten in Großbritannien ĂŒberhaupt zĂ€hlen.

Variante 2: Nachtzug Caledonian Sleeper

Bild: Ein Zug von Caledonian Sleeper in den Highlands
Im Caledonian Sleeper geht es ĂŒber Nacht nach Schottland

Ihr habt keine Lust, den ganzen Tag im Zug zu sitzen? Oder euer Ziel heißt nicht Edinburgh oder Glasgow, sondern liegt weiter nördlich in den Highlands oder an den schottischen KĂŒsten?

Dann ist der Caledonian Sleeper (sleeper.scot) genau das Richtige fĂŒr euch. Der Nachtzug fĂ€hrt ebenfalls von London, so dass eure Anreise bis Schritt 3 aussieht wie oben beschrieben. Am Abend steigt ihr dann statt in einen Tagzug in den Schlafwagen. Das ist nicht nur bequem, sondern hat auch einen weiteren Vorteil: Ihr könnt euch bei der Fahrt nach London mehr Zeit lassen und grĂ¶ĂŸere Sicherheitspuffer zum Umsteigen einplanen.

Beim Caledonian Sleeper handelt es sich genau genommen um zwei NachtzĂŒge, den Lowland Sleeper mit Zugteilen nach Edinburgh und Glasgow sowie den Highland Sleeper mit Zugteilen nach Aberdeen, Inverness und Fort William. Beide starten ihre Reise am Bahnhof London Euston und fahren ĂŒber die West Coast Main Line in den SĂŒden Schottlands. Von dort verzweigen sich die Routen dann zu den jeweiligen Zielen.

Bild: Ein Schlafwagen-Abteil im Caledonian Sleeper
Im Schlafwagen reist ihr besonders bequem nach Schottland
Bild: Der Speisewagen Club Car mit Sitzgruppen und Barsitzen am Fenster
Ein Highlight im Caledonian Sleeper ist das Club Car

Die Fahrt mit dem Caledonian Sleeper ist nicht ganz gĂŒnstig, aber ein einmaliges Erlebnis. Service und Komfort an Bord sind Spitzenklasse. Einen ausfĂŒhrlichen Bericht lest ihr in der Zugpost „Im Caledonian Sleeper nach Schottland“.

Im Caledonian Sleeper nach Schottland
Der Caledonian Sleeper gilt als einer der besten NachtzĂŒge in Europa. Ob er hĂ€lt, was er verspricht, erfahrt ihr in der Zugpost.

Über Tag oder ĂŒber Nacht? đŸ€”

Die Variante ĂŒber Tag ist klar die gĂŒnstigste, insbesondere wenn ihr mit Interrail reist. Da es in Großbritannien keine Reservierungspflicht gibt, mĂŒsst ihr in vielen FĂ€llen fĂŒr den Trip nur eine einzige Reservierung vornehmen, und zwar fĂŒr den Eurostar. Das kostet 30 bis 43 € pro Person. Achtung: Die VerfĂŒgbarkeit ist begrenzt, unbedingt rechtzeitig buchen (via b-europe.com).

Auf der anderen Seite ist die Fahrt mit dem Caledonian Sleeper eine großartige Erfahrung, die ihr euch als Nachtzug-Fan nicht entgehen lassen solltet. Interessant ist vor allem der Highland Sleeper. Wegen der lĂ€ngeren Fahrzeit (je nach Ziel 11 bis 13 Stunden) habt ihr genug Zeit, die tolle AtmosphĂ€re an Bord zu genießen. Außerdem sind die Strecken am Morgen allesamt wunderschön.

Wollt ihr dagegen nur nach Glasgow oder Edinburgh, ist der Tagzug wahrscheinlich der bessere Deal. Aber auch hier kann eine Fahrt mit dem Lowland Sleeper eine interessante Variante sein.

Mein Tipp: Wenn ihr euch nicht zwischen Tag- und Nachtzug entscheiden könnt, macht doch einfach beides: hin mit dem Caledonian Sleeper, zurĂŒck ĂŒber Tag. Oder umgekehrt.

Variante 3: Mit der FĂ€hre nach Newcastle

Bild: FĂ€hre Princess Seaways auf dem offenen Meer
Mit der Princess Seaways geht es ĂŒber Nacht nach Newcastle (Foto: DFDS)

Schottland lÀsst sich auch einfach, bequem und preiswert mit der FÀhre erreichen, und zwar von den Niederlanden. Der Zielhafen Newcastle liegt in England, ist aber keine 100 Kilometer von der schottischen Grenze entfernt. Von Newcastle nach Edinburgh sind es knapp 1,5 Stunden mit dem Zug. Es gibt einen dichten Takt mit mehreren Verbindungen pro Stunde.

Die FĂ€hren werden von DFDS Seaways (dfds.com) betrieben und starten tĂ€glich in IJmuiden bei Amsterdam. Die Überfahrt geht ĂŒber Nacht und dauert 16,5 Stunden. Mit der Abfahrt um 17:30 Uhr und der Ankunft in Newcastle um 9 Uhr Ortszeit am nĂ€chsten Morgen sind die Fahrzeiten geradezu ideal fĂŒr einen entspannten Start in den Schottland-Urlaub.

Fußpassagiere sind auf der FĂ€hre explizit willkommen. Tickets fĂŒr zwei Erwachsene inklusive Kabine gibt es bereits ab 90 Euro.


Schottlands Bahnnetz

Warum ihr bei einer Zugreise durch Schottland etwas Zeit mitbringen mĂŒsst. Und welche Strecken sich besonders lohnen.

Bild: Ein Triebwagen von ScotRail fÀhrt durch die Highlands

So. Nachdem wir die Anreise geklÀrt haben, geht es im Folgenden um den Bahnverkehr innerhalb Schottlands. Werfen wir zunÀchst einen Blick auf das schottische Eisenbahnnetz.

Schottland macht etwa ein Drittel der FlĂ€che Großbritanniens aus, stellt mit 5,4 Millionen Einwohnern aber gerade einmal 8 Prozent der britischen Bevölkerung. Mit anderen Worten: Schottland ist ziemlich dĂŒnn besiedelt. Außerdem verteilt sich die Bevölkerung extrem ungleichmĂ€ĂŸig. Die große Mehrheit drĂ€ngt sich im Central Belt zwischen Glasgow und Edinburgh, wĂ€hrend der wilde Norden vielerorts menschenleer ist.

Entsprechend weitmaschig ist das Schienennetz abseits der Metropolen. Viel weitmaschiger als zum Beispiel in England. Nicht nur diesbezĂŒglich Ă€hnelt Schottland eher einem nordischen Land.

Karte: AusgewÀhlte Bahnstrecke, FÀhren und Busse in Schottland

Und auch die FahrplĂ€ne sind dĂŒnn. Je weiter ihr nach Norden vordringt, desto weniger ZĂŒge fahren am Tag. Stundentakt könnt ihr bei einem Trip ins lĂ€ndliche Schottland aus eurem Wortschatz streichen. Am Wochenende ist das Angebot noch mal deutlich reduziert. Extrembeispiel ist hier die Far North Line, wo sonntags genau ein Zug fĂ€hrt.

Dennoch lĂ€sst sich Schottland hervorragend mit dem Zug erkunden. Fast jede Bahnstrecke ist landschaftlich ein Knaller, spektakulĂ€re Bergpanoramen und wilde KĂŒsten prĂ€gen die Szenerie. Wer will da schon hetzen. Und wo die Bahn endet, geht es mit Bussen und FĂ€hren weiter. Die ÜbergĂ€nge sind eingespielt und klappen in der Regel verlĂ€sslich.

Hier sind einige Strecken, die sich besonders lohnen.

Glasgow – Fort William – Mallaig

West Highland Line

Bild: Berge und Viadukt
Die West Highland Line fĂŒhrt ĂŒber den weltberĂŒhmten Glenfinnan-Viadukt

Die West Highland Line gilt als schönste Bahnstrecke Großbritanniens. Vor allem liegt das am Abschnitt von Fort William zum HafenstĂ€dtchen Mallaig. Hier fĂ€hrt der Zug ĂŒber den Glenfinnan-Viadukt, bekannt aus den Harry-Potter-Filmen. Aber auch der Teil sĂŒdlich von Fort William hat seine Reize. Bei der Fahrt durch das entlegene Rannoch Moor machen die ZĂŒge Station in Corrour, dem höchsten britischen Bahnhof, bekannt aus dem Film Trainspotting (siehe Zugpost „Einmal nach Corrour“).

Einmal nach Corrour
Großbritanniens großartigster Bahnhof liegt mitten in der Einsamkeit der schottischen Highlands. Die Zugpost hat ihn besucht.

Ebenfalls zur West Highland Line zĂ€hlt die Stichstrecke nach Oban, die in Crianlarich von der Hauptlinie abzweigt. Oban ist ein bedeutender FĂ€hrhafen und ein Tor zur Inselgruppe der Hebriden. Die ZĂŒge halten hier direkt am FĂ€hrterminal.

Edinburgh – Dundee – Aberdeen

Edinburgh to Aberdeen Line

Bild: Aussicht aus dem Zugfenster auf Meer mit einem BrĂŒckenpfeiler
Die Forth Bridge, aus dem Zug betrachtet auch nur eine BrĂŒcke

SpektakulĂ€re BrĂŒcken und steile Ufer: Die Strecke von Edinburgh ĂŒber Dundee nach Aberdeen ist eine KĂŒstenbahn, wie sie im Buche steht. Das alles ĂŒberstrahlende Highlight ist die Forth Bridge nördlich von Edinburgh. Die rote Stahlkonstruktion ist eines der Wahrzeichen Schottlands und zĂ€hlt seit 2015 zum UNESCO-Welterbe. Ebenfalls ein Hingucker und mit ĂŒber 3 Kilometern sogar noch lĂ€nger ist die BrĂŒcke ĂŒber den Fluss Tay zwischen Wormit und Dundee. Und die malerische KĂŒstenlandschaft sowieso.

Perth – Inverness

Highland Main Line

Bild: Ein blauer Zug, im Hintergrund schneebedeckte Berge
Die Passhöhe bei Dalwhinnie ist der höchste Punkt im britischen Eisenbahnnetz

Die Highland Main Line nach Inverness fĂŒhrt abseits der KĂŒsten mitten durch die Highlands. Wohl keine Bahnlinie in Schottland fĂŒhlt sich so alpin an, auch im April zeigten sich die Gipfel entlang der Strecke noch schneebedeckt. Bei Dalwhinnie erklimmen die ZĂŒge den höchsten Punkt im britischen Eisenbahnnetz. Mit einer Temperatur von kaum mehr als 6 °C im Jahresmittel ist Dalwhinnie außerdem Schottlands kĂ€ltester Ort. Im Winter kommt es immer wieder zu BeeintrĂ€chtigungen durch Schneeverwehungen.

Inverness – Kyle of Lochalsh

Kyle of Lochalsh Line

Bild: Kyle of Lochalsh, im Vordergrund ein Hotel, im Hintergrund eine BrĂŒcke
Von Kyle of Lochalsh geht es ĂŒber die BrĂŒcke im Hintergrund auf die Insel Skye

Die einzige Ost-West-Verbindung im Norden Schottlands fĂŒhrt von der Nordsee an die Schottische See, dazwischen gibt es eine gute Portion Highlands. Vor Kyle of Lochalsh liegt die beliebte Insel Skye. Über die Skye Bridge fahren Busse, zum Beispiel nach Portree, dem Hauptort der Insel, und Uig, von wo ihr zu entlegeneren Orten in den Hebriden schippern könnt. Von Armadale am SĂŒdwestzipfel von Skye geht es mit der FĂ€hre nach Mallaig, dort besteht Anschluss an die West Highland Line.

Inverness – Thurso – Wick

Far North Line

Bild: Klippen mit Gras, im Hintergrund das Meer und Möwen
Am Endbahnhof der Far North Line in Wick wartet das offene Meer

Ganz weit in den Norden geht es auf der Far North Line. Die Strecke ist nirgendwo wirklich spektakulĂ€r, beeindruckt aber durch ihre absolute Abgeschiedenheit. Ein lohnenswerter Zwischenstopp ist Forsinard. Hier findet ihr das geschĂŒtzte Moorgebiet Forsinard Flows, das reich an Vögeln, Pflanzen und Insekten ist. Das Besucherzentrum liegt direkt am Bahnhof.

Spannend ist auch das Bedienkonzept an den beiden Endpunkten. Die ZĂŒge werden nicht etwa geflĂŒgelt, sondern fahren von Georgemas Junction zunĂ€chst nach Thurso und dann zurĂŒck nach Georgemas Junction, bevor es schließlich nach Wick geht. Wick selbst ist ein graues FischerstĂ€dtchen, bietet von seinen Klippen aber schöne Blicke auf das Meer vor Orkney.


Bahnhöfe in Schottland

Ein Kleinod nach dem anderen: Schottlands Bahnhöfe muss man einfach lieben. Das sind die wichtigsten Stationen.

Bild: Bahnhof Dingwall

Womit die Eisenbahn in Schottland wirklich strahlt, sind ihre Bahnhöfe. Alles ist gepflegt und wird liebevoll, teils von Freiwilligen, in Schuss gehalten. Überall gibt es Blumen, Teestuben und Ausstellungen zur Geschichte. Selbst der kleinste Dorfbahnhof hat einen beheizten Warteraum. Und in den GroßstĂ€dten begeistern prĂ€chtige Gleishallen und tolle Architektur.

An vielen Bahnhöfen gibt es Fahrkartenschalter und ĂŒberhaupt mehr Personal, als man es aus Mitteleuropa kennt. Toiletten sind kostenlos und fĂŒr Damen und Herren nicht immer am selben Ort (nach Beschriftung Gents bzw. Ladies Ausschau halten).

SchließfĂ€cher oder personenbediente GepĂ€ckaufgaben gibt es an wichtigen Stationen. FĂŒr zwei große GepĂ€ckstĂŒcke habe ich am Bahnhof Inverness 5 Pfund bezahlt (mit Karte).

Bild: Bahnhof Rogart mit Blumen und einem Handwagen
Blumen und ganz viel Liebe, das ist Bahnhofskultur in Schottland
Bild: Bahnhof Kyle of Lochalsh mit Hinweischild
Hier sind Bahnhöfe noch fĂŒr die BedĂŒrfnisse der Reisenden da

Edinburgh Waverley

Der Hauptbahnhof von Edinburgh liegt zentral in einem Graben unterhalb der Altstadt. Das Areal ist riesig (flĂ€chenmĂ€ĂŸig der zweitgrĂ¶ĂŸte Bahnhof Großbritanniens nach London Waterloo) und ein wahres Labyrinth aus Durchgangs- und Stumpfgleisen, BrĂŒcken und Inselbahnsteigen. Dazu kommt die großartige Wartehalle mit reich verzierter Glaskuppel. Hier kann man Stunden verbringen und einfach nur dem Treiben zusehen.

Bild: Bahnhof Edinburgh Waverley
Der großartige Bahnhof Edinburgh Waverley

Glasgow Central

Der grĂ¶ĂŸere der beiden Hauptbahnhöfe von Glasgow ist der meistfrequentierte Bahnhof Schottlands. Er liegt am Nordufer des River Clyde und markiert den Endpunkt der West Coast Main Line von London Euston. Glasgow Central besteht aus einem großen Kopfbahnhof mit 15 Bahnsteigleisen sowie einem kleineren unterirdischen Durchgangsbahnhof.

Bild: Bahnhof Glasgow Central
Der Bahnhof Glasgow Central ist der meistfrequentierte Schottlands

Glasgow Queen Street

Nur wenige hundert Meter entfernt liegt der zweite Hauptbahnhof der Stadt. Vom Passagieraufkommen liegt Glasgow Queen Street nach Glasgow Central und Edingburgh Waverley auf dem dritten Platz in Schottland. Am Bahnhof starten die Shuttle-ZĂŒge nach Edinburgh via Falkirk. Außerdem beginnt hier die West Highland Line nach Mallaig sowie die Highland Main Line nach Inverness. Auch Glasgow Queen Street hat einen unterirdischen Bahnhofsteil.

Bild: Bahnhof Glasgow Queen Street
Blumen gibt es auch am Bahnhof Glasgow Queen Street

Aberdeen

Der Bahnhof von Schottlands drittgrĂ¶ĂŸter Stadt wurde unlĂ€ngst renoviert und hat eine luftige Stahldachkonstruktion. Aberdeen ist der meistfrequentierte Bahnhof jenseits des Central Belt, betrieblich geht es aber deutlich ruhiger zu als im SĂŒden. StĂŒndlich gibt es DirektzĂŒge nach Edinburgh, Glasgow und Inverness, dazu einzelne ZĂŒge nach London, Leeds und Plymouth.

Bild: Bahnhof Aberdeen
Der Bahnhof von Aberdeen wurde unlÀngst renoviert

Inverness

Die Hauptstadt der Highlands ist ein idealer Ausgangspunkt, um das schottische Eisenbahnnetz zu erkunden. Ihr könnt direkt mit dem Caledonian Sleeper oder dem durchgehenden Tagzug von LNER aus London anreisen. Von Inverness' Kopfbahnhof aus verzweigen sich dann Bahnstrecken in alle Himmelsrichtungen: nach Wick im Norden, nach Perth und Glasgow im SĂŒden, nach Aberdeen im Osten und nach Kyle of Lochalsh im Westen.

Bild: Bahnhof Inverness
Am Bahnhof von Inverness treffen sich vier Bahnstrecken in die Highlands

ZĂŒge und Ausstattung

ScotRail ist die staatliche Eisenbahn von Schottland. Das sind ihre ZĂŒge und so ist der Komfort an Bord.

Bild: Sitze in einem Zug von ScotRail

Kommen wir nun zum Rollmaterial. Auf schottischen Gleisen geht es deutlich einheitlicher zu als im Rest Großbritanniens. Klar dominierend sind die blauen ZĂŒge von ScotRail (scotrail.co.uk), der staatlichen Eisenbahn von Schottland. ZĂŒge anderer Anbieter kommen nur ĂŒber die Verbindungen mit England ins Land.

Auch wenn es Fortschritte in den BallungsrĂ€umen gibt, ist Schottlands Schienennetz weiterhin zu großen Teilen nicht elektrifiziert. Alles nördlich der Achse Glasgow–Edinburgh fĂ€hrt mit Diesel, und zwar nahezu ausschließlich mit TriebzĂŒgen. Einzig verbliebener Lok-Wagen-Zug im Regelverkehr ist der Nachtzug Caledonian Sleeper.

Zuggattungen

In Schottland gibt es keine Zuggattungen wie anderswo in Europa. Auch wird nicht explizit zwischen Nah- und Fernverkehr unterschieden. ZĂŒge sind einfach nur ZĂŒge, bezeichnet werden sie ĂŒblicherweise nach ihrer Abfahrtszeit. Beispiel: Der 08:46 (Zug) nach Edinburgh. Auch tariflich sind alle ZĂŒge gleichgestellt. Sofern keine zeitliche Begrenzung oder Zugbindung besteht, könnt ihr eine Fahrkarte von A nach B in jedem Zug nutzen.

Fahrzeuge

Ein klassisches Bild, vor allem auf den lĂ€ndlichen Strecken in den Highlands, sind DieseltriebzĂŒge des Typs Sprinter, die zumeist aus den 1980er-Jahren stammen. Eine neuere Variante ist der Turbostar. Diese Fahrzeuge wurden von 1997 bis 2011 gebaut und können mit Ă€lteren Sprintern gekoppelt werden. Auf den elektrifizierten Strecken um Edinburgh und Glasgow kommen moderne ElektrotriebzĂŒge zum Einsatz. Die vorherrschenden Typen sind Alstom Coradia Juniper, Siemens Desiro und Hitachi AT200.

Bild: Sprinter an einem Bahnsteig
Der Sprinter ist das RĂŒckgrat auf den lĂ€ndlichen Strecken in den Highlands
Bild: Turbostar im Bahnhof Stirling
Der Turbostar ist eine neuere Variante des Sprinter
Bild: Elektrotriebwagen des Typs Hitachi AT200
Zwischen Glasgow und Edinburgh kommen ElektrotriebzĂŒge zum Einsatz

Inter7City

Ganz neu auf Schottlands Gleisen und eine kleine Besonderheit sind die ZĂŒge des Typs Inter7City. Durch ihre prĂ€gnante Form, ihre Farbgebung (hellgrau statt blau) und das Branding sind sie klar von den anderen ZĂŒgen in Schottland zu unterscheiden.

Es handelt sich um 40 Jahre alte DieseltriebzĂŒge des Typs InterCity 125, die in England ausgemustert worden waren. ScotRail kaufte einige davon und verpasste ihnen in den letzten Jahren ein umfangreiches Redesign. Die ZĂŒge sind ausgesprochen komfortabel und in Sachen Platz großzĂŒgiger als die oben genannten Triebwagen. Zum Einsatz kommt der Inter7City zwischen den sieben großen StĂ€dten Schottlands: Aberdeen, Dundee, Edinburgh, Glasgow, Inverness, Perth und Stirling.

Reisekomfort

Lasst euch nicht tĂ€uschen: Gerade die oft nur zweiteiligen Dieseltriebwagen auf landschaftlich reizvollen Strecken wie der West Highland Line sehen aus wie NahverkehrszĂŒge, bieten aber einen guten Reisekomfort mit bequemen Sitzen.

Durch das kleine britische Lichtraumprofil ist der Platz an Bord allerdings begrenzt. In den GĂ€ngen kann man sich unmöglich begegnen, der Stauraum in den Regalen ĂŒber den Sitzen reicht nur fĂŒr kleines HandgepĂ€ck. GrĂ¶ĂŸere GepĂ€ckfĂ€cher findet ihr am Wagenende. In manchen ZĂŒgen fĂŒhlt es sich auch am Platz etwas beengt an, gerade aus den Vierer-Sitzgruppen mit Tisch muss man sich mitunter regelrecht „herausschĂ€len“.

Essen und Trinken

In schottischen ZĂŒgen gibt es keine Speisewagen oder Bordbistros. Einzige Ausnahme ist der Caledonian Sleeper, der mit dem Club Car ein vollwertiges Zugrestaurant fĂŒhrt.

In den Inter7City-ZĂŒgen befindet sich am Ende des 1.-Klasse-Wagens ein kleiner Barbereich, das Inter7City CafĂ©. Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie gab es hier GetrĂ€nke sowie warme und kalte Snacks. Seitdem ist der Betrieb jedoch eingestellt, die Wiederaufnahme ist fraglich.

Auf einigen langlaufenden ZĂŒgen in den Highlands gibt es einen mobilen Bordverkauf mit Trolleys (mehr Infos). Angeboten werden Tee, Kaffee, KaltgetrĂ€nke, Sandwiches, Chips und SĂŒĂŸigkeiten. Reist ihr in der 1. Klasse, erhaltet ihr ein GetrĂ€nk und einen Snack gratis. Bezahlung mit Kreditkarte ist möglich.

Weitere Ausstattung

In allen ZĂŒgen gibt es am Platz Steckdosen nach britischem Standard. In neueren oder renovierten Fahrzeugen gibt es zudem USB-Steckdosen. DarĂŒber hinaus verfĂŒgen alle ZĂŒgen ĂŒber kostenloses WLAN. Das funktioniert aber nicht immer und ist eher als nette Geste zu verstehen. Der 4G-Empfang in Schottland ist dafĂŒr zumeist gut, auf abgelegenen Strecken wie der Far North Line kann es aber zu grĂ¶ĂŸeren Funklöchern kommen.

MĂŒlleimer findet ihr nicht am Platz, sondern an einigen zentralen Orten zwischen den Sitzen und am Wagenende. Manchmal geht auch ein Zugbegleiter durch die Wagen und sammelt den MĂŒll ein.

FahrrÀder

Fahrradmitnahme ist in allen ZĂŒgen von ScotRail möglich. Auf einigen Strecken in den Highlands muss vor Fahrtantritt kostenlos ein Stellplatz reserviert werden (mehr Infos). Auf allen anderen Routen gilt das Prinzip „first come, first served“.

Ein besonderes Angebot fĂŒr Radfahrer gibt es auf der West Highland Line. Dort ist seit Kurzem der ScotRail Highland Explorer unterwegs, ein zusĂ€tzlicher Wagen mit 20 FahrradstellplĂ€tzen und 24 SitzplĂ€tzen. Zum Einsatz kommt der Highland Explorer in ZĂŒgen von Glasgow nach Oban sowie von Glasgow nach Fort William and Mallaig.

Bild: Fahrradwagen im Bahnhof Arrochar & Tarbet
Der ScotRail Highland Explorer ist ein tolles neues Angebot fĂŒr Radreisende

Barrierefreiheit

Das Thema Barrierefreiheit wird in Schottland sehr ernst genommen. ScotRail sichert Reisenden mit eingeschrĂ€nkter MobilitĂ€t UnterstĂŒtzung beim Ein- und Ausstieg zu – und zwar unabhĂ€ngig davon, ob der Bedarf vorher angemeldet wurde oder nicht. Um Höhenunterschiede und Spalte zu ĂŒberbrĂŒcken, stehen in allen ZĂŒgen und an allen Bahnhöfen Rampen zur VerfĂŒgung (mehr Infos).

Nicht ganz so gut steht es dagegen um die Bahnhöfe selbst. Diese sind oft alt, verwinkelt und nicht nach Kriterien der ZugĂ€nglichkeit geplant. Ein spezifisch britisches Problem ist, dass es zwischen Bahnsteigen oft BrĂŒcken ĂŒber die Gleise gibt, die allein ĂŒber Treppen erreichbar sind. Aktuell wird daran gearbeitet, alle Bahnhöfe in Schottland barrierefrei zu machen.


Tickets und Preise

Welche Fahrkarten es gibt, was der Spaß kostet und warum Interrail in Schottland so großartig ist.

Bild: Ticket Office am Bahnhof Stirling

Die Liberalisierung des Bahnmarktes in Großbritannien hat fĂŒr eines nicht gesorgt: niedrige Preise. Großbritannien nimmt bei Rankings zu den teuersten Tickets in Europa regelmĂ€ĂŸig SpitzenplĂ€tze ein. Schottland ist da keine Ausnahme.

DafĂŒr ist Zugfahren in Schottland sehr flexibel. Mit dem klassischen Anytime Ticket könnt innerhalb der GĂŒltigkeit (ĂŒblicherweise 1 Tag) jeden Zug zwischen Start- und Zielbahnhof nehmen und die Fahrt beliebig oft unterbrechen. Attraktiv sind auch RĂŒckfahrkarten, die oft stark rabattiert sind. Unterschieden wird zwischen Day Return fĂŒr RĂŒckfahrten am selben Tag und Open Return, bei dem ihr euch bis zu 1 Monat Zeit lassen könnt.

Beispiel: Eine einfache Fahrt von Edinburgh nach Aberdeen (Fahrzeit 2,5 Stunden) kostet als Anytime Ticket etwa 46 € in der Standard-Klasse, fĂŒr die Fahrt in der 1. Klasse mĂŒsst ihr gut 100 € anlegen.

DarĂŒber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Ticket-Varianten, von denen einige im Folgenden genannt sind. Eine vollstĂ€ndige Übersicht der Tarifstruktur gibt es auf scotrail.co.uk.

Off-Peak Tickets

Reist ihr außerhalb der Hauptverkehrszeit, könnt ihr mit einem Off-Peak Ticket sparen. In Schottland gelten diese werktags nach 09:15 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen. Eine Ausnahme ist die Region um Edinburgh und Glasgow, hier sind auch ZĂŒge zur abendlichen Stoßzeit gesperrt. Im zugelassenen Zeitfenster funktioniert ein Off-Peak Ticket wie ein Anytime Ticket, spricht ihr könnt es fĂŒr jeden Zug nutzen.

Advance Tickets

Auch in Schottland gibt mit dem Advance Ticket eine Art Sparpreis. Damit spart ihr bis zu 60 Prozent gegenĂŒber normalen Tickets, wenn ihr euch auf einen bestimmten Zug festlegt. Advance Tickets sind nicht fĂŒr jede Bahnstrecke in Schottland erhĂ€ltlich, alle oben genannten sind aber enthalten. Das Angebot ist kontingentiert, frĂŒhzeitiges Buchen sichert den besten Preis.

Tipp: Neue Advance Tickets gehen immer donnerstags mit einer Vorverkaufsfrist von 8 Wochen in den Verkauf.

Passangebote

ScotRail bietet eine Reihe eigener Passangebote an, die je nach Reiseplan eine Alternative zu Interrail sein können. Besonders interessant ist der Spirit of Scotland Travel Pass. Damit reist ihr fĂŒr 149 Pfund an 4 Tagen oder 189 Pfund an 8 Tagen unbegrenzt durch ganz Schottland. Enthalten sind nicht nur ZĂŒge, sondern auch Busse, die Edinburgh Tram und die Glasgow Subway.

DarĂŒber hinaus gibt es noch lokale PĂ€sse wie den Central Scotland Rover und den Highland Rover. Leider sind seit April 2023 keine FĂ€hren mehr in den Passangeboten enthalten.

Reservierungen

Reservierungspflichtige ZĂŒge gibt es in Schottland nicht. Falls gewĂŒnscht, könnt ihr auf einigen Routen optional einen Sitzplatz reservieren. Die Reservierung ist kostenlos und online beim Ticketkauf oder nachtrĂ€glich telefonisch möglich (mehr Infos). Reservierte PlĂ€tze erkennt ihr an einem PapierkĂ€rtchen, das in die RĂŒckenlehne gesteckt wird.

Bild: Innenaufnahme Zug mit SteckkÀrtchen an einigen PlÀtzen
Reservierte PlĂ€tze erkennt ihr am KĂ€rtchen in der RĂŒckenlehne

Interrail in Schottland

Schottland ist wie ganz Großbritannien ein wahres Paradies fĂŒr Interrail. Abgesehen vom deutschsprachigen Raum ist der Pass nirgendwo so mĂ€chtig.

Zum einen liegt das an den hohen Preisen fĂŒr regulĂ€re Tickets. Die Kosten fĂŒr einen kleinen Interrail-Pass (etwa 4, 5 oder 7 Reisetage in 1 Monat) habt ihr allein durch die Hin- und RĂŒckfahrt schnell wieder raus. Außerdem mĂŒsst ihr bei der Anreise nach Schottland meist weitere LĂ€nder durchqueren, mit einem Global-Pass ist das besonders einfach.

Innerhalb Schottlands ist das Reisen mit Interrail dann extrem entspannt. Ihr könnt jeden Zug benutzen, eine Reservierungspflicht oder ZuschlĂ€ge gibt es nicht. Ebenfalls praktisch: Optional reservierte PlĂ€tze erkennt ihr durch Anzeigen ĂŒber den Sitzen (ZĂŒge aus England) oder die oben erwĂ€hnten SteckkĂ€rtchen (Schottland). So könnt ihr euch in Ruhe einen freien Platz aussuchen und lauft keine Gefahr, unterwegs von eurem Sitz verscheucht zu werden.

Bild: Bahnsteigsperren am Bahnhof Stirling
Bahnsteigsperren und Interrail sind keine Freunde

Ein Ärgernis gibt es aber doch: An den grĂ¶ĂŸeren Bahnhöfen in Schottland sind Bahnsteigsperren verbreitet. Leider erkennen die Barcode-Scanner bislang Interrail-Tickets nicht, so mĂŒsst ihr jedes Mal einen Mitarbeiter um Einlass bitten. Das ist aber kein großes Problem, Personal ist immer vor Ort und in der Regel werdet ihr einfach durchgewunken.

Neben Global-PĂ€ssen gilt in Schottland auch der One Country Pass Großbritannien. Dieser ist allerdings in der teuersten Preisstufe eingeordnet, der Preisvorteil gegenĂŒber dem Global Pass ist gering. Wollt ihr ausschließlich in Schottland mit dem Zug fahren, sind die Passangebote von ScotRail eventuell die bessere Wahl.


FĂ€hren und Busse

Schottlands Inseln entdeckt ihr mit FĂ€hren und Bussen. Welche Routen es gibt und wie sie mit den ZĂŒgen verknĂŒpft sind.

Bild: Portree auf der Insel Skye

Es heißt, man hat Schottland erst richtig gesehen, wenn man mindestens eine der malerischen Inseln entlang der Nord- und WestkĂŒste besucht hat. Zum GlĂŒck ist das nicht schwer: Dutzende FĂ€hren pendeln regelmĂ€ĂŸig zu den kleinen und großen Eilanden, die wichtigsten Anbieter sind CalMac Ferries (calmac.co.uk) und NorthLink Ferries (northlinkferries.co.uk).

Viele HÀfen auf dem Festland haben direkten Bahnanschluss. Besonders gut mit dem Zug zu erreichen sind Mallaig, Oban, Wemyss Bay, Gourock, Ardrossan Harbour und Largs. Auf die beliebte Insel Skye könnt ihr sogar direkt mit dem Bus fahren.

Busse ĂŒberbrĂŒcken auch LĂŒcken im Bahnnetz in den Highlands. Eine gute Übersicht sĂ€mtlicher Verbindungen mit Zug, FĂ€hre und Bus in Schottland bietet die Website travelinescotland.com.

Achtung: Je nach Wetter und Tide kommt es oft zu kurzfristigen Änderungen in den FahrplĂ€nen von CalMac Ferries. Alle Updates gibt es auf calmac.co.uk sowie auf Twitter (@CalMac_Updates).

Innere und Äußere Hebriden

Die Inselgruppe der Hebriden liegt vor der NordwestkĂŒste Schottlands. Die Inneren Hebriden rund um die Inseln Mull und Skye sind ĂŒber die HĂ€fen Oban und Mallaig angebunden. Beide haben einen Bahnhof in fußlĂ€ufiger Entfernung zu den FĂ€hren. Nach Skye fahren außerdem Busse via Kyle of Lochalsh.

Nach Ullapool, dem Tor zu den Äußeren Hebriden mit der grĂ¶ĂŸten schottischen Insel Lewis and Harris und zudem selbst ein attraktiver KĂŒstenort, geht es mit dem Bus ab Inverness.

⛎ Oban – Craignure (Isle of Mull)
‹CalMac Ferries, Fahrzeit 50 Minuten

⛎ Mallaig – Armadale (Isle of Skye)‹
CalMac Ferries, Fahrzeit 45 Minuten

⛎ Ullapool – Stornoway (Lewis and Harris)‹
CalMac Ferries, Fahrzeit 2,5 Stunden

Bild: Eine CalMac FĂ€hre in Mallaig
CalMac Ferries betreibt FĂ€hren auf die Inneren und Äußeren Hebriden
Bild: Blick auf das Heck der FĂ€hre, im Hintergrund Felsen
Unterwegs mit der FĂ€hre von Mallaig nach Armadale
Bild: FrĂŒhlingshafte Szenerie mit Gras und Wasser
Angekommen in Armadale auf der Insel Skye, von hier geht es mit dem Bus weiter

Inseln im Firth of Clyde

Nicht so bekannt, aber nicht weniger sehenswert sind die Inseln im Firth of Clyde, welcher unmittelbar der Stadt Glasgow vorgelagert ist. Hervorragende Verbindungen mit Zug und FĂ€hre gibt via Ardrossan auf die Insel Arran und via Wemyss Bay auf die Insel Bute.

⛎  Ardrossan – Brodick (Isle of Arran)
‹CalMac Ferries, Fahrzeit 55 Minuten

⛎  Wemyss Bay – Rothesay (Isle of Bute)
CalMac Ferries, Fahrzeit 35 Minuten

Orkney und Shetlandinseln

Wenn ihr es etwas rauer mögt, sind Orkney und die Shetlandinseln etwas fĂŒr euch. Diese liegen vor der nordöstlichen Spitze Schottlands am Übergang zwischen Nordsee und Nordatlantik. Nach Stromness auf der Hauptinsel von Orkney geht es von Scrabster, etwa 2 Kilometer vom Bahnhof Thurso an der Far North Line entfernt.

Noch weiter raus aufs offene Meer fĂŒhrt euch die Fahrt auf die Shetlandinseln mit der NachtfĂ€hre von Aberdeen. An einigen Tagen macht die FĂ€hre in Kirkwall auf Orkney Zwischenstation. Das FĂ€hrterminal in Aberdeen liegt fußlĂ€ufig vom Bahnhof.

⛎  Scrabster – Stromness (Orkney)
NorthLink Ferries, Fahrzeit 1,5 Stunden

⛎  Aberdeen – Lerwick (Shetland)
NorthLink Ferries, Fahrzeit 12,5–14,5 Stunden

Busse in den Highlands

Aufgrund der Topografie verlaufen die Bahnstrecken in den Highlands zumeist von Nord nach SĂŒd, Querverbindungen sind dagegen rar. Abhilfe schaffen hier Überlandbusse, der wichtigste Anbieter ist Scottish Citylink (citylink.co.uk). Folgende Busrouten sind besonders gut mit ZĂŒgen und FĂ€hren verknĂŒpft.

🚌 Inverness – Ullapool‹
Fahrzeit 1,5 Stunden, 2 Fahrten tÀglich

🚌 Inverness – Fort William‹
Fahrzeit 2 Stunden, 3–5 Fahrten tĂ€glich

🚌 Inverness – Kyle of Lochalsh – Isle of Skye‹
Fahrzeit 3,5 Stunden, 2 Fahrten tÀglich

🚌 Fort William – Kyle of Lochalsh – Isle of Skye‹
Fahrzeit 3,5 Stunden, 2 Fahrten tÀglich

🚌 Fort William – Oban‹
Fahrzeit 1,5 Stunden, 2 Fahrten Mo–Sa

Bild: Ein Bus von Citylink in Portree auf der Insel Skye
Scottish Citylink ist der wichtigste Anbieter von Überlandbussen in Schottland

Bonus: Glasgow Subway

Zum Schluss noch ein kleines Schmankerl. Wenn ihr in Glasgow seid, mĂŒsst ihr unbedingt mit der niedlichen U-Bahn fahren. Die Glasgow Subway ist neben London Underground eine von ĂŒberhaupt nur zwei vollwertigen U-Bahnen in Großbritannien. Es gibt lediglich eine 10,5 km lange Ringlinie mit 15 Stationen, die vom River Clyde (gedanklich) in zwei Halbkreise zerlegt wird.

Die Ringlinie könnt ihr wahlweise im Uhrzeigersinn (Outer Circle) oder gegen den Uhrzeigersinn (Inner Circle) befahren. Ein einfaches Ticket kostet 1,75 Pfund, damit könnt ihr so lange unter der Stadt kreiseln, wie ihr möchtet.

Hier ein paar EindrĂŒcke von der Fahrt.

Schienengebundenen Nahverkehr gibt es mit der Straßenbahn Edinburgh Trams seit 2014 ĂŒbrigens auch wieder in Edinburgh. Aktuell gibt es allerdings nur eine Strecke zum Flughafen, im Laufe dieses Jahres soll aber eine zweite Strecke nach Leith und Newhaven in Betrieb gehen.


Fazit

Tolle Bahnstrecken, komfortable ZĂŒge und ganz viel Bahnhofsliebe: Schottland ist ein großartiges Land, um es mit dem Zug zu entdecken. Das fĂ€ngt schon bei der Anreise an. Die geht erstaunlich schnell und einfach, von vielen Orten in Europa erreicht ihr Schottland mit dem Zug bequem an einem Tag.

In Schottland selbst ist das Tempo gemĂŒtlich. Und doch ist vor dem Fenster ist immer was los – ob Berge oder Klippen, Schafe oder Schlösser. Packt euren Rucksack, nehmt euch ein oder zwei Wochen Zeit, und ihr werdet mit tollen EindrĂŒcken belohnt. Und nicht vergessen: Unbedingt eine Insel besuchen und einen Berg besteigen.

Besonders viel Spaß macht Schottland mit Interrail. Damit könnt ihr nicht nur viel Geld sparen, ihr seid auch extrem flexibel unterwegs. Einfach einsteigen und losfahren, das ist Interrailen wie es sein soll. Na ja, jedenfalls nachdem ihr die Bahnsteigsperren hinter euch gelassen habt.

Bild: Zug von ScotRail im Bahnhof Glasgow Queen Street
Schottland mit dem Zug: Einfach einstiegen und losfahren

Kurzstrecke

Nachrichten, Updates und FundstĂŒcke – was war diese Woche sonst noch los auf und neben Europas Gleisen?

Achtung, Streik!

Wie ihr sicher mitbekommen habt, hat die Gewerkschaft EVG in Deutschland Streiks angekĂŒndigt. Die Deutsche Bahn stellt deswegen vom 14.05. um 22 Uhr bis 16.05. um 24 Uhr den Fernverkehr komplett ein. Auch im Nahverkehr sind erhebliche BeeintrĂ€chtigungen zu erwarten (mehr Infos). Ebenfalls zu Streiks kommt es voraussichtlich ab dem 15.05. in Schweden. Betroffen sind unter anderem die FernzĂŒge der SJ auf den wichtigen Strecken Malmö–Stockholm und Göteborg–Stockholm (mehr Infos) sowie die ZĂŒge des ÖresundstĂ„g zwischen Kopenhagen und Malmö (mehr Infos).

150 Jahre Nachtzug

Europa feiert in diesen Tagen 150 Jahre Nachtzug. Im April 1873 machte sich erstmals ein Schlafwagen auf den Weg von Glasgow nach London. Nur wenig spĂ€ter, am 15. Juni 1873, nahm auf dem Kontinent die Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) ihren Betrieb zwischen Ostende und Köln/Berlin sowie MĂŒnchen und Wien auf. Kopf hinter der CIWL war der Belgier Georges Nagelmackers (1845–1905), auch bekannt als „Monsieur Orient-Express“. Der Autor, Filmemacher und Zugpost-Leser Gerhard Rekel hat kĂŒrzlich die weltweit erste Biografie ĂŒber Nagelmackers’ bewegtes Leben vorgelegt. (Mehr Infos)

Kulturzug nach Breslau

Der Kulturzug von Berlin nach Breslau (WrocƂaw) kommt zurĂŒck aus dem Winterschlaf und startet voraussichtlich am 16. Juni 2023 in die Saison. Der Zug ist nicht nur Transportmittel, sondern bietet ein wechselvolles Programm mit Live-Performances, Musik und HintergrĂŒnden zur deutschen und polnischen Kultur. Die Wochenendverbindung ist eine Kooperation von DB Regio Nordost mit der Niederschlesischen Eisenbahn. Aufgrund von Bauarbeiten in Polen wird der Kulturzug in diesem Jahr auf einer leicht verĂ€nderten Route ĂŒber BolesƂawiec und Węgliniec verkehren. (Mehr Infos)

Halbstundentakt auf Gotthard-Achse

Die SBB hat ihren Entwurf fĂŒr den kommenden Jahresfahrplan ab Dezember 2023 vorgelegt. GrĂ¶ĂŸte Neuerung: Durch den Gotthard-Tunnel wird es kĂŒnftig einen Halbstundentakt und mehr DirektzĂŒge aus der Westschweiz nach GraubĂŒnden geben. Auch die trinationale Zugverbindung von Frankfurt nach Mailand wird kĂŒnftig ĂŒber die Gotthard-Achse gefĂŒhrt. Baustellenbedingt verkehren die ZĂŒge vorĂŒbergehend via ZĂŒrich. Neu außerdem: Statt der ETR610-ZĂŒge von Trenitalia kommt ab Dezember der Giruno der SBB auf der Frankfurt-Strecke zum Einsatz. (Mehr Infos)

Travel Pass Nordland

Auf Twitter wurde ich ĂŒber ein interessantes Angebot aus dem Norden Norwegens aufmerksam: Mit dem Travel Pass Nordland könnt ihr 7 Tage lang unbegrenzt mit SchnellfĂ€hren („hurtigbĂ„t“) und Bussen in der Provinz Nordland reisen. Damit eignet sich das Passangebot besonders, um die Inselgruppe der Lofoten zu erkunden. Enthalten sind etwa die SchnellfĂ€hre von BodĂž nach SvolvĂŠr sowie der legendĂ€re Lofoten-Bus nach Narvik. Sowohl in BodĂž als auch in Narvik besteht Anschluss an den Zug (siehe Zugpost „Polarkreisbahnen“). Der Travel Pass Nordland kostet fĂŒr Erwachsene etwa 110 € und ist erhĂ€ltlich per App oder als Chipkarte im zentralen FĂ€hrterminal in BodĂž. (Mehr Infos)

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Ihr habt einen Tipp fĂŒr die nĂ€chste Ausgabe der Kurzstrecke? Dann schreibt mir an kontakt@zugpost.org

Das war die Zugpost im XXL-Format zum Thema Schottland. Durch eure Fragen und Anregungen ist das Ganze etwas ausgeartet. Vielen Dank dafĂŒr (fast gar nicht ironisch gemeint 😁).

Spaß beiseite, es war mir eine große Freude, euch das Thema in aller AusfĂŒhrlichkeit aufzubereiten. Ich hoffe, es war der ein oder andere hilfreiche Tipp fĂŒr euch dabei und ich konnte ein bisschen Lust machen auf dieses wunderbare Land.

Irgendwann finde ich sicher ein Thema, ĂŒber das ich wieder kĂŒrzer schreiben kann. Vielleicht ja schon nĂ€chste Woche, dann stelle ich euch einen ganz besonderen Zug nach Cornwall vor. Damit schließen wir dann das Thema Großbritannien auch erst einmal ab.

Habt ein schönes Wochenende,

Sebastian

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