Fahrplanwechsel: Das ist neu in Europas Bahnverkehr

Der neue Bahnfahrplan für 2024 ist in Kraft. Hier sind die wichtigsten Neuerungen bei Europas Eisenbahnen.

Fahrplanwechsel: Das ist neu in Europas Bahnverkehr

Dieser Artikel behandelt vorrangig internationale Zugverbindungen über Tag. Mehr Informationen über Änderungen im Zugverkehr innerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz findet ihr bei den jeweiligen Bahnen. Neuerungen im europäischen Nachtzugverkehr haben wir bereits in diesem Artikel behandelt.

DACH-Raum

Im ICE von Hamburg nach Wien

Deutsche Bahn und ÖBB bieten neu einen ICE von Hamburg über Berlin nach Wien an. Außerdem wurde der bestehende ICE Berlin–Wien nach Hamburg verlängert, sodass es nun über Tag drei Direktverbindungen zwischen der Hansestadt und Österreich gibt (eine weitere führt über Hannover). Dazu kommen die Nachtzüge nach Wien und Innsbruck, die seit dem Fahrplanwechsel mit dem Nightjet der neuen Generation gefahren werden.

Zwischen Berlin und Wien steigt die Zahl der täglichen Direktverbindungen damit auf fünf. Neben den beiden ICEs gibt es noch einen Railjet und einen Nightjet (beide über Dresden und Prag) sowie einen Nacht-Intercity ohne Schlaf- und Liegewagen.

Täglich von Berlin nach Innsbruck

Das direkte Zugpaar zwischen Berlin und Innsbruck verkehrt seit dem Fahrplanwechsel täglich statt wie bisher nur zweimal wöchentlich. Die Route führt über Frankfurt am Main, Stuttgart und München. Zum Einsatz kommen ICE-Züge der Deutschen Bahn.

Gotthardtunnel bleibt Nadelöhr

Auch der Fahrplan 2024 ist noch erheblich von der teilweisen Sperrung des Gotthard-Basistunnels in der Schweiz beeinträchtigt. Im August 2023 war eine der beiden Tunnelröhren bei der Entgleisung eines Güterzuges stark beschädigt worden. Laut Angaben der SBB werden die Renovierungsarbeiten bis Herbst 2024 andauern.

Unter der Woche werden Fernzüge weiterhin über die (landschaftliche reizvolle) Gotthard-Panoramastrecke umgeleitet, was zu einer Verlängerung der Fahrzeit von etwa einer Stunde führt. Betroffen sind davon unter anderem die EuroCity-Züge zwischen Zürich und Mailand. Am Wochenende schickt die SBB dagegen bereits 31 Reisezüge durch den Basistunnel. Diese Übergangsregelung gilt zunächst bis Ostern.

Neue Züge von Österreich nach Slowenien

Die bestehenden Züge zwischen Graz und Spielfeld-Straß in der südlichen Steiermark werden bis nach Maribor und teilweise bis Ljubljana in Slowenien verlängert. Nach Ljubljana werden außerdem sechs neue Züge von Villach angeboten, welche gute Anschlüsse aus Richtung Wien und Salzburg bieten. Die Inbetriebnahme dieser Verbindungen soll allerdings erst im Frühjahr 2024 erfolgen, da die Zulassung der slowenischen Züge des Typs Stadler Flirt noch aussteht.

Nördliches Europa

Mehr Züge nach Kopenhagen

Zwischen Hamburg und Kopenhagen gibt es mehr Verbindungen. Ganzjährig verkehren nun fünf Direktzüge, im Sommer wird die Frequenz auf sieben erhöht. Weiterhin aufrechterhalten wird die Umsteigeverbindung über Flensburg und Fredericia.

Zugunsten der zusätzlichen Verbindungen nach Kopenhagen entfällt dagegen der Direktzug von Hamburg nach Aarhus. Dänische Züge zwischen Fredericia, Aarhus und Aalborg starten dafür künftig bereits in Kolding, was sich damit als Umsteigeort auf einer Fahrt von Deutschland in den Norden von Jütland anbietet.

Die Züge nach Kopenhagen werden seit Juni 2023 planmäßig mit Intercity-Wagen der Deutschen Bahn gefahren. Mit dem Wegfall des Aarhus-Zuges verschwindet damit der dänische IC3 („Gumminase“) aus Hamburg.

Öfter von Göteborg nach Oslo

Auf der Strecke von Göteborg nach Oslo hat sich die Zahl der Zugfahrten nahezu verdoppelt. Richtung Oslo verkehren jetzt acht direkte Züge am Tag, Richtung Göteborg sind es sieben. Betrieben wird die Verbindung zwischen Schweden und Norwegen von der norwegischen Bahn Vy. Insbesondere der Spätzug mit Ankunft in Oslo um 23:47 Uhr ermöglicht neue und stabilere Reiseketten von Mitteleuropa nach Norwegen.

Baltikum: Neue Direktzüge geplant

Gute Nachrichten gibt es aus dem Baltikum. Nach Weihnachten soll ein neuer Direktzug von Vilnius nach Riga über Šiauliai eingeführt werden. Damit würde eine große Lücke im europäischen Zugverkehr geschlossen – seit Ausbruch der Corona-Pandemie findet kein Personenzugverkehr mehr zwischen Litauen und Lettland statt.

Im Frühjahr 2024 könnte außerdem ein neuer Zug von Riga nach Tartu in Estland eingeführt werden. Tartu führt 2024 den Titel „Kulturhauptstadt Europas“, wodurch ein erhöhtes Aufkommen an touristischen Reisen erwartet wird. Züge aus Lettland fahren aktuell nur wenige Kilometer über die estnische Grenze nach Valga.

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Westliches Europa

Niederlande: Schneller nach Amsterdam

Die Intercity-Züge von Berlin nach Amsterdam verkehren um 30 Minuten beschleunigt. Möglich ist das durch den Entfall des Lokwechsels in Bad Bentheim (es kommen nun Mehrsystem-Lokomotiven des Typs Vectron zum Einsatz) sowie das Auslassen einiger Halte in Deutschland.

Durch die Ausmusterung der Bordbistro-Wagen der Deutschen Bahn zum Fahrplanwechsel entfällt zwischen Berlin und Amsterdam das gastronomische Angebot. Einen Speisewagen wird es voraussichtlich wieder ab Ende 2024 auf der Verbindung geben, wenn die neuen Züge des Typs ICE L in Betrieb gehen.

Belgien: Regionalzüge von Aachen nach Lüttich

Eine Neuordnung gibt es im grenzüberschreitenden Regionalverkehr zwischen Aachen und Belgien („euregioAIXpress“). Seit dem Fahrplanwechsel verkehren die Züge von Aachen neu nach Lüttich (Bahnhof Liège-Saint-Lambert) mit Halt an allen Unterwegsbahnhöfen. Dafür entfällt die Verbindung nach Spa über Theux.

Ebenfalls neu ist das Rollmaterial. Die bisher verwendeten Elektrotriebzüge aus den 1970er-Jahren wurden ausgemustert, stattdessen kommen lokbespannte Wendezüge der belgischen Bahn mit vier Wagen zum Einsatz. Dadurch erhöht sich das Sitzplatzangebot deutlich.

Kein Eurostar von Amsterdam nach London

Im Zeitraum von Juni 2024 bis Januar 2025 gibt es keine direkten Eurostar-Züge von Amsterdam nach London. Grund dafür sind Umbauarbeiten am Eurostar-Terminal des Bahnhofs Amsterdam Centraal, während derer der Check-in mit den notwendigen Pass- und Gepäckkontrollen nicht durchgeführt werden kann.

Das Ersatzkonzept sieht einen Umstieg in Brüssel vor, bei dem alle Reisenden den Zug verlassen müssen. Der formale Check-in findet dann am Terminal in Brüssel statt, ehe es mit einem anderen Zug durch den Eurotunnel nach London geht. Die Züge in Richtung Amsterdam verkehren dagegen normal, da hier die Grenzformalitäten auf britischer Seite durchgeführt werden.

Südliches Europa

Italien: Neue Railjets ab München

Im April 2024 ersetzen die ersten Railjets der neuen Generation lokbespannte EuroCity-Züge auf den Strecken von München über Innsbruck nach Bologna und Venedig. Weitere neue Railjets zwischen München und Italien sollen im Oktober 2024 in Betrieb gehen.

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Spanien: Konkurrenz für die Renfe

Der private Anbieter Iryo startet zwei neue tägliche Direktzüge von Barcelona nach Sevilla über Cordoba. Die Züge stehen in Konkurrenz zu den beiden täglichen Zügen der staatlichen Bahn Renfe, womit sich das Zugangebot zwischen Barcelona und Sevilla verdoppelt.

Ouigo, eine Marke der französischen Bahn SNCF, hat zwei neue tägliche Verbindungen zwischen Madrid und Valencia eingeführt. Ebenfalls neu ist eine tägliche Verbindung von Madrid nach Alicante. Ouigo verkehrt in Spanien mit doppelstöckigen TGV-Zügen.

Östliches Europa

Polen: Mehr Züge nach Krakau

Im Fahrplan 2024 gibt es mehr Verbindungen von Deutschland und Österreich ins polnische Krakau. So wurde mit dem EuroCity „Danubius“ (EC 102/103) ein weiterer Direktzug zwischen Wien und Krakau eingeführt. Dieser Zug führt außerdem Kurswagen nach Wrocław (Breslau), welche als EC 202/203 im Fahrplan verzeichnet sind. Der EuroCity verlässt Wien um 16:10 Uhr und erreicht Krakau um 21:34 Uhr. Die Wagen nach Wrocław erreichen ihr Ziel um 21:56 Uhr.

Ebenfalls neu ist ein zweiter EuroCity von Berlin nach Krakau. Dieser ergänzt den bestehenden EC „Wawel“ und verlässt Berlin um 16:52 Uhr. Die Ankunft in Krakau ist um 23:54 Uhr. Durch die recht späte Abfahrt in Berlin lässt sich Krakau so an einem Tag aus Amsterdam, Brüssel oder sogar London erreichen.

Ukraine: EuroCity von Wien nach Tschop

Die ÖBB bieten als EuroCity „Tisza“ eine neue Kurswagen-Verbindung von Wien ins ukrainische Tschop an. Tschop liegt am Dreiländereck Ungarn–Slowakei–Ukraine und ist ein Bahnknoten zwischen europäischer Normalspur und dem osteuropäischen Breitspurnetz.

Abfahrt in Wien ist um 10:42 Uhr und Ankunft in Chop um 21:00 Uhr. In Tschop besteht Übergang zu einem ukrainischen Nachtzug nach Kiew. In Gegenrichtung verlassen die Züge Tschop um 08:22 Uhr und erreichen Wien um 17:20 Uhr. Ebenfalls nach Tschop soll es ab Anfang 2024 mit einem Nachtzug von RegioJet ab Prag gehen.

Sperrung in Rumänien

Die Bahnstrecke zwischen Oradea und Cluj-Napoca in Rumänien ist wegen Bauarbeiten bis voraussichtlich 2026 gesperrt. Die beiden Direktzüge von Budapest nach Cluj entfallen. Der morgendliche Zug von Budapest nach Brasov erhält einen Zugteil über Alba Iulia nach Cluj. Ebenfalls über Alba Iulia wird der Nachtzug von Wien nach Cluj geführt, was zu einer um zwei Stunden verlängerten Fahrzeit führt.


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